7. September 2009, veröffentlicht in Social Media | Trackback | RSS
Erinnern Sie sich noch an 1.0? Doch, das gab es mal! Das nannte man damals zwar noch nicht so, damals hieß es noch “Internet”. Aber 1.0 gab es wirklich mal! Das war in einer grauen Vorzeit, als man die Tastatur beim Surfen nur brauchte, um eine neue URL im Browser oder eine neue Suchanfrage bei Altavista einzugeben (Google war damals auch noch nicht so groß). Damals, zu Einsnuller-Zeiten, haben wir das Internet nur konsumiert. Gelesen, Bilder angesehen und vielleicht mal eine E-Mail geschrieben - mehr nicht. Heute gestalten wir das Internet selber. Alle. Tag für Tag.
Die Zauberworte für diesen Wandel sind vielfältig: “Web 2.0″, “Social Media” oder “UGC” (user-generated content). Aber das Fazit ist immer gleich: Wir sind längts weg vom Internet-Leser und hin zum Internet-Gestalter. Wer vor zehn Jahren noch eine eigene Website hatte war entweder ein Geschäftsmann oder ein Profilneurotiker. Heute haben wir zwar nicht alle eine eigene Website, aber zumindest doch eine Profilseite bei MeinVZ, Facebook, MySpace, einen Twitter-Account, einen Blog oder alles gleichzeitig - am Besten untereinander vernetzt (was nicht heißt, dass es heute weniger Profilneurotiker gäbe).
Dabei ist die Macht der großen, professionellen Gestalter längst geschwunden und uns allen nach und nach abgegeben worden. Wir lesen nicht mehr nur was SpiegelOnline schreibt, sondern informieren uns auch beim Nachbarn von nebenan - denn der bloggt vielleicht auch was Interessantes. Wenn wir uns einen neuen Fernseher kaufen wollten, haben wir uns früher auf den Internetseiten von Sony, Panasonic und Co. informiert.
Da haben wir zumindest die technischen Daten herausbekommen. Heute gibt es Netzwerke von Kunden, die die wirklich interessanten Kriterien bewerten: Auf ciao.de oder dooyoo.de erfahren wir schnell, ob andere Kunden finden, dass der Fernseher ein gutes Bild macht - oder ob er bei tiefstehender Sonne zu sehr reflektiert. Selbst Amazon, was früher mal nur ein Produkt-Verschicker war, lässt uns heute unter den Buchbeschreibungen wissen, wie andere Leser das Werk fanden - selbst wenn sie ausdrücklich vor dem Kauf des Buches warnen.
Das Internet ist inzwischen zu einer Paralellwelt geworden, die gleichzeitig ein Stück der normalen Welt ist. Das Internet ist kein virtueller Raum mehr, sondern ein höchst realer Bestandteil des Lebens. Wer in der Medienbranche arbeitet merkt das vielleicht noch mehr als andere, aber betroffen von diesem Wandel ist inzwischen fast jeder. Wer von den Menschen da draußen im sogenannten “real life” hat denn kein Xing-Profil, keinen Blog oder keine Seite bei irgendeinem Dating-Portal? Wir sind das Internet - und das Internet ist wir!
Spannend ist die Frage, ob es auch ein Web 3.0 geben wird. Oder auch schon 2.5. Wo soll denn die Entwicklung noch hingehen? Wie sollen wir denn noch mehr mit dem World Wide Web verschmelzen, wie sollen wir noch einfacher der Welt mitteilen können, dass wir gerade ein Käsebrötchen essen oder dass die Cocktailbar Calimero besonders viel Rum in seine Drinks kippt? Klingt heute alles utopisch irgendwie. Dreidimensional wäre eine Neuerung - aber das hat ja nichts mit dem Web zu tun. Vielleicht kommt auch eines Tages der virtuelle Personalausweis. Aber nur dann, wenn die Schäuble- und Zensursula-Gegner nicht gut genug aufpassen. Und wenn das die Bedingung ist… dann wird das Web 3.0 noch auf sich warten lassen! Deswegen - genießen wir so lange das Web 2.0!
Über den Autor:
Florian Meyer (26) lebt und arbeitet als Online-Redakteur in Köln. Er liest gern, steht auf TV-Serien und ist bekennender Internet-Junkie. Seit Ende März 2009 twittert er als @Scherzinfarkt und bloggt unter www.scherzinfarkt.net.
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Web 2.0 ist es aus meiner Sicht, so lange wir noch von “Internet” sprechen. Irgendwann wird alles verschmelzen: Lokale Dateien, Handy, Auto, TV, etc. Wenn es keine “Grenze” zwischen (digitalen) Medien mehr gibt, dann ist das Web 3.0. - so zumindest meine Definition ![]()
Gruß, Martin
Das Internet ist kein virtueller Raum?
Interessante Sichtweise. Können Sie mir ide Tür, Schwelle, Pforte… zeigen? Ich würde auch gerne mal hinein tauchen. Statt nur, wie vor dem Aquarium, durch die Mattscheibe hinein zu sehen.
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